Die Verurteilung von Marine Le Pen: der Kampf ums politische Überleben

Getty Images
Ein Pariser Gericht hat Marine Le Pen zu einer empfindlichen Strafe verurteilt: vier Jahre Gefängnis, davon zwei auf Bewährung und zwei mit einer elektronischen Fußfessel, sowie ein fünfjähriges Verbot, für ein Amt zu kandidieren. Das Urteil könnte ihren Traum, im Jahr 2027 Präsidentin Frankreichs zu werden, für immer zerstören.
Le Pens Verurteilung steht im Zusammenhang mit dem Fall der fiktiven Arbeitsplätze im Europäischen Parlament, die im Interesse ihrer Partei, dem Rassemblement National (RN), geschaffen wurden. Zusammen mit ihr wurden 23 weitere Personen - Parteifunktionäre und Helfer - verurteilt.
Le Pen bezeichnete das Urteil als "politisch" und kündigte an, sie werde umgehend Berufung einlegen. In einem Interview mit dem Sender TF1 sagte sie: "Ich werde mich nicht so einfach beseitigen lassen. Ich werde alle möglichen juristischen Wege beschreiten. Dieser Weg ist schmal, aber er existiert." Trotz allem hat sie nicht die Absicht, die politische Bühne zu verlassen und sieht sich immer noch als Favoritin im Rennen um die Präsidentschaft.
Sollte das Urteil Bestand haben, könnte Le Pens Sitz im Jahr 2027 an Jordan Bardella, den 29-jährigen Chef der RN, gehen, den sie selbst als würdigen Nachfolger bezeichnet hat. In der Zwischenzeit fand eine Krisensitzung in den Reihen der Partei statt, wobei Kommentare aus der ganzen Welt einen internationalen Aufschrei auslösten.
Die Entscheidung des Gerichts hat den Zorn einer Reihe rechtsextremer Politiker und der Verbündeten von Le Pen hervorgerufen. Es gab scharfe Kritik an der französischen Justiz, von Viktor Orban bis zu Ilon Musk, der sagte, dass "dies nach hinten losgehen wird, genau wie die juristischen Angriffe auf Trump in den USA".
Der französische Justizminister Gerard Darmanin hat "inakzeptable Drohungen" gegen Richter verurteilt, während der Oberste Justizrat in einer seltenen Erklärung die Unabhängigkeit der Justiz verteidigt und seine Besorgnis über "heftige Angriffe" zum Ausdruck gebracht hat.
Den jüngsten Umfragen zufolge würde Le Pen in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen 2027 in Führung liegen. Der derzeitige Präsident Emmanuel Macron darf nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren. Das machte sie zur Hauptanwärterin.
Jetzt, da das Gerichtsurteil unmittelbar in Kraft getreten ist, ist ihre Chance auf den Elysee-Palast in Gefahr, und für die RN steht eine strategische Entscheidung an. Während Le Pen die Justiz auffordert, sich mit der Berufung zu "beeilen", steht das Schicksal der rechtsextremen Bewegung in Frankreich auf dem Spiel.
"Ich werde nicht aufgeben. Ich bin unschuldig", bekräftigt sie. Aber selbst wenn das Gericht ihr eine Chance gibt, bleibt die große Frage: Werden die Franzosen einem Mann vertrauen, der verurteilt wurde, weil er das Vertrauen der Wähler missbraucht hat?