Die Stadtluft ist für Allergiker schädlich

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Der Klimawandel und die Merkmale der modernen Urbanisierung haben dazu geführt, dass die Allergiesaison in Luxemburg mittlerweile viel früher beginnt – in manchen Fällen bereits im Dezember oder Januar – und länger als gewöhnlich andauert. Laut einer groß angelegten Studie des Luxembourg Institute of Health (LIH) in Esch-sur-Alzette leiden derzeit mehr als 40 % der erwachsenen Bevölkerung des Landes an verschiedenen allergischen Reaktionen, die vor allem die Atemwege, die Lunge und den Nasenrachenraum betreffen.
Wie Dr. Annette Kuehn, eine führende Forscherin am Institut, erklärt, ist ein entscheidender Faktor für die Verschärfung des Problems die anthropogene Belastung städtischer Grünflächen. Bäume in Großstädten, die ständig verschmutzter Luft und Abgasen ausgesetzt sind, verändern ihre biologische Aktivität und produzieren deutlich mehr Pollen als Pflanzen in der freien Natur. Die ohnehin schon angespannten Umweltbedingungen werden durch trockenes und warmes Wetter verschärft, das den Transport von Allergenen begünstigt. Der menschliche Körper reagiert jedoch nicht auf den Pollen selbst, sondern auf die darin enthaltenen Proteine. Im Herbst wird die Situation noch komplizierter: Laut einer vom LIH zitierten norwegischen Studie werden zu dieser Jahreszeit parasitäre Pilze auf Birken aktiv, die als zusätzlicher Auslöser für Schübe wirken.
Neben dem Klima steht der Anstieg der Krankheitshäufigkeit in direktem Zusammenhang mit dem modernen Lebensstil, den Ernährungsgewohnheiten und dem allgemeinen Rückgang der Artenvielfalt im täglichen Lebensumfeld der Menschen. Infolgedessen verliert das Immunsystem seine Fähigkeit, angemessen auf äußere Reize zu reagieren. Als vorbeugende Maßnahme empfehlen Experten, sich bereits ab dem Säuglingsalter gesund zu ernähren und für einen regelmäßigen Kontakt mit der natürlichen mikrobiellen Umgebung zu sorgen, damit das Immunsystem die richtigen Reaktionen „erlernen“ kann.
Unterdessen hat sich ein Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Christiane Hilger im Rahmen eines großen europäischen Projekts, an dem klinische Zentren aus acht Ländern beteiligt sind, auf die Untersuchung von Haushaltsallergenen konzentriert. Die Wissenschaftler nutzen einen innovativen Biochip, der 160 verschiedene Antigene erkennen kann, darunter Mikropartikel von Tierhaaren, Hausstaubmilben und Schimmelpilzen. Erste Blutuntersuchungen bei Patienten zeigten eine hohe Kreuzreaktivität: Jeder zweite Teilnehmer reagiert auf mehrere Tierarten, und zwei Drittel von ihnen leiden zudem an Pollen- und Hausstaubmilbenallergien.





