Luxemburgs Banken verlieren an Attraktivität

Clay Banks, Unsplash
Der Verband der Banken in Luxemburg (ABBL) warnt davor, dass der Umgang mit Kunden aufgrund verschärfter europäischer Vorschriften weniger flexibel sein wird. Heutzutage kommt es bereits an der Ladentheke zur plötzlichen Sperrung von Karten und Konten – selbst bei Personen, die keinerlei Verbindung zu illegalen Aktivitäten haben. Wie Jerry Grbic, Geschäftsführer des ABBL, erklärte, stehen die Banken im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung an vorderster Front, was ihnen strenge Überwachungspflichten auferlegt.
Die Hauptgründe für diese Einschränkungen sind technischer Natur: abgelaufene Ausweisdokumente, fehlende aktuelle Kundendaten oder Transaktionen, die vom üblichen Ausgabeverhalten des Kunden abweichen. „Leider können auch Stammkunden Opfer dieser obligatorischen Überprüfungen werden“, bemerkt Grbic. Erhält die Bank keine zeitnahen Erklärungen zu den Transaktionen oder kann sie den Kontoinhaber nicht erreichen, wird eine Sperrung zu einer unvermeidlichen automatischen Maßnahme.
Die Situation wird zusätzlich dadurch erschwert, dass die Zahl der europäischen Richtlinien und luxemburgischen Gesetze im Finanzsektor in den letzten Jahren erheblich gestiegen ist. Für Banken sind die Folgen eines Fehlers extrem hoch: Die Nichteinhaltung von Vorschriften birgt nicht nur das Risiko hoher Geldstrafen, sondern auch den Entzug der Lizenz. Unter solchen Umständen gehen Kreditinstitute lieber auf Nummer sicher und beschränken den Zugang zu Finanzmitteln schon beim geringsten Anzeichen von Zweifeln.
Trotz der wachsenden Unzufriedenheit in ganz Europa über übermäßige Regulierung und Forderungen nach mehr Flexibilität sind aus Brüssel bislang keine Anweisungen zur Lockerung der Vorschriften ergangen. Die ABBL erklärt, dass sie an Vorschlägen zur Vereinfachung der Aufsicht arbeite. Ziel des Verbandes ist es, ein Gleichgewicht zu finden, das den Verwaltungsaufwand für die Bürger verringert, ohne zusätzliche Risiken für das Finanzsystem des Landes zu schaffen.





