Luxemburg setzt auf finanzielle Bildung der Bürger

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Am Dienstag fand in der luxemburgischen Abgeordnetenkammer eine Debatte über finanzielle Bildung statt. Die Interpellation wurde von der Abgeordneten der Sozialistischen Arbeiterpartei, Liz Braz, initiiert. Sie bezog sich auf eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die 2023 veröffentlicht wurde. Die Studie ergab, dass in vielen Ländern das Finanzwissen von Bürgern verschiedener Altersgruppen gering ist. Liz Bras betonte, dass es sich bei Finanzen nicht nur um technisches Wissen handelt, sondern um ein "Machtinstrument", das sich heute in den Händen eines kleinen Kreises befindet. Sie sagte, dass das Wissen über Wirtschaft und Geldmanagement jedem zugänglich sein sollte - als ein Grundrecht, nicht als ein elitäres Privileg.
Der demokratische Abgeordnete André Bauler sagte, dass finanzielles Analphabetentum zu einer höheren Verschuldung führen kann, insbesondere aufgrund von Modellen, die auf dem Prinzip "Jetzt kaufen, später bezahlen" basieren. Er befürwortete die Idee einer frühzeitigen und leicht zugänglichen Ausbildung in Finanzwissen.
David Wagner von der linken Partei Déi Lénk erkannte den Wert von Bildungsinitiativen an, insbesondere im Bereich der Altersvorsorge und der Steuerkompetenz. Er warnte jedoch vor der Gefahr der Lobbyarbeit durch den Finanzsektor und schlug vor, die Chambre des Salariés (CSL) in die Entwicklung des Programms einzubeziehen.
Bildungsminister Claude Meisch und Finanzminister Gilles Roth waren sich einig, dass die nationale Strategie, die seit 2015 besteht, aktualisiert werden muss. Laut Gilles Roth sollte die Strategie moderne Realitäten wie Fintech, Kryptowährungen, künstliche Intelligenz, Investitionen mit sozialer Wirkung und Cyberbetrug berücksichtigen. Diese Herausforderungen erfordern neue Ansätze und eine breite Sensibilisierung der Bürger.
Auf Nachfrage bestätigte Gilles Roth, dass er die Möglichkeit der Einrichtung eines Kreditregisters nach dem Vorbild der belgischen Kreditzentrale prüft, betonte jedoch, dass diese Initiative noch nicht in den Koalitionsvertrag aufgenommen wurde und ihre Umsetzung wahrscheinlich der nächsten Regierung überlassen wird.
Er betonte auch die wichtige Rolle der Commission de Surveillance du Secteur Financier (CSSF), die die Koordination der Aufklärung und Unterstützung der Bürger beim Schutz vor finanziellen Risiken übernehmen kann.