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Luxtoday

Geschlechtsneutrale Toiletten sollen in Luxemburger Schulen eingeführt werden

Zuletzt aktualisiert
29.01.26
Gender neutral toilets in Luxembourg schools

Jas Min, Unsplash

Die luxemburgischen Behörden planen eine Änderung ihres Ansatzes hinsichtlich der sanitären Infrastruktur in Schulen. In künftigen Schulgebäuden werden geschlechtsneutrale Toiletten eingeführt, und Urinale werden nicht mehr in die Entwürfe aufgenommen. Dies gaben Vertreter des Bildungsministeriums bei einer Sitzung des parlamentarischen Ausschusses für Familie und Bildung bekannt. Die Toiletten werden neutral als WC bezeichnet, und es werden auch Einzelkabinen vorgesehen. Nach Angaben von Beamten wird dieser Standard für alle neuen Schulgebäude verbindlich werden. Als Beispiel wurde das neue technische Lyzeum im Zentrum des Landes angeführt.

Die Diskussion fand vor dem Hintergrund der anhaltenden Debatten über LGBTIQ+-Themen im Bildungswesen statt. Die Ministerin für Gleichstellung, Yuriko Backes, erinnerte an die viel beachteten Petitionen, die vor einem Jahr eingereicht wurden: Eine forderte, dass LGBTIQ+-Themen aus dem Lehrplan gestrichen werden, während die andere im Gegenteil eine stärkere Präsenz dieser Themen forderte. Beide Initiativen sammelten schnell die erforderliche Anzahl an Unterschriften und führten Anfang 2025 zu parlamentarischen Anhörungen sowie zu einer deutlichen Zunahme aggressiver Kommentare im Internet.

Laut dem Minister war diese Zeit ein Weckruf, bestätigte aber auch die Position der Regierung. LGBTIQ+-Personen sind Teil der alltäglichen Realität der luxemburgischen Gesellschaft, einschließlich der Schulen, und der Staat hat die Pflicht, ihre Rechte zu schützen. Backes  verwies auf die von CSV-Abgeordneten Marc Spautz initiierte Resolution vom Februar 2025, die Gewalt, Hassreden und Diskriminierung gegenüber Minderheiten als Verletzung der Menschenrechte verurteilt.

Als Reaktion auf die Zunahme von Hass im Internet hat das Ministerium in Zusammenarbeit mit respect.lu ein Pilotprojekt gestartet, das darauf abzielt, Aggressionen in sozialen Medien entgegenzuwirken. Die Kampagne wird nach dem ersten Jahr evaluiert. Gleichzeitig wird die Umsetzung des nationalen Aktionsplans zum Schutz der Rechte von LGBTIQ+-Personen und die Zusammenarbeit mit relevanten Organisationen fortgesetzt. Gleichzeitig betonte Backes, dass Organisationen wie Rainbow Centre und Cigale Schulen nur auf Wunsch der Bildungseinrichtungen selbst besuchen und lehnte damit den Begriff der „Aufzwingung durch Aktivisten” ab.

Die Spannung im Ausschuss wurde durch eine Rede des ADR-Abgeordneten Fred Keup ausgelöst, der erklärte, dass unterschiedliche Ansichten zum Thema Geschlecht als gleichwertig betrachtet werden sollten und dass Schulen nicht im Widerspruch zu den Einstellungen stehen sollten, die Kinder in ihren Familien lernen. Er äußerte auch die Ansicht, dass einseitiger politischer Druck den Widerstand in der Gesellschaft verstärken könnte.

Diese Position wurde von der Regierung entschieden abgelehnt. Backes betonte, dass es hierbei nicht um Werturteile gehe, sondern um Menschenrechte und das Recht jedes Einzelnen auf Respekt und Schutz vor Diskriminierung. Der LSAP-Abgeordnete Georges Engel unterstützte sie und erinnerte daran, dass wissenschaftliche Forschungen seit Jahrzehnten auf die Existenz geschlechtlicher Vielfalt hinweisen und dass die Diskussion dieser Themen eher zur Aufklärung beitrage als zur Aufzwingung von Ansichten.

Die Frage der Schulpflicht für Sexualkundeunterricht wurde separat diskutiert. Bildungsminister Claude Meisch erklärte, dass eine Verweigerung des Unterrichts aufgrund persönlicher oder familiärer Überzeugungen nicht akzeptabel sei. Seiner Meinung nach trugen die Debatten dazu bei, den Inhalt der Lehrpläne zu klären. Sekundarschullehrer erhielten einen speziellen Leitfaden zum Thema Geschlechtervielfalt, und Schulungen zu LGBTIQ+-Themen stießen auf positive Resonanz. In der Grundschule werden Themen wie Körperbewusstsein und Sexualkunde schrittweise und altersgerecht eingeführt.

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29.01.26

Fotos aus diesen Quellen: Jas Min, Unsplash

Autoren: Alex Mort