

Kulinarische Multikultur: neue Ernährungsgewohnheiten in Luxemburg
In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die historischen Einwanderungswellen und ihr kulinarisches Erbe, wobei wir die bemerkenswertesten ausländischen Küchen hervorheben, die Teil des lokalen Mainstreams geworden sind, sowie neue Trends von Street Food und Food Halls bis hin zu jährlichen Festivals.
Um die kulinarische Multikulturalität Luxemburgs zu verstehen, ist es wichtig, die demografischen Gegebenheiten und die Geschichte des Landes zu berücksichtigen. Geografisch zwischen dem lateinischen und dem germanischen Europa gelegen, hat die traditionelle luxemburgische Küche lange Zeit französische Raffinesse und deutsch-belgische Solidität in sich vereint. In den letzten Jahrzehnten wurden diese Einflüsse jedoch durch neue ergänzt, die von Einwanderern aus Südeuropa und anderen Teilen der Welt mitgebracht wurden
Luxemburg - ein Kreuzungspunkt der Kulturen und Geschmäcker
Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert war Luxemburg selbst ein Land der Auswanderer: Viele Einheimische gingen auf der Suche nach einem besseren Leben über den Ozean. Doch dann änderte sich die Situation - insbesondere nach dem wirtschaftlichen Aufschwung, der mit der Metallurgie und später mit dem Wachstum des Finanzsektors einherging. Das Land wurde zu einem attraktiven Arbeits- und Lebensort, der Arbeitskräfte aus den Nachbarländern und darüber hinaus anlockte;
Bereits in der Mitte des 20. Jahrhunderts begann in Luxemburg eine massive Arbeitsmigration: zunächst von Italienern (bereits seit den frühen 1900er Jahren) und dann von Portugiesen. In den 1960er Jahren kamen Tausende von Portugiesen nach Luxemburg, die vor der Salazar-Diktatur und der wirtschaftlichen Not in ihrem Heimatland flohen. In den 1970er Jahren folgte eine neue Einwanderungswelle, und im Laufe der Zeit wuchs die portugiesische Gemeinschaft zur größten des Landes heran. Später, im späten 20. Jahrhundert, brachte das rasche Wachstum des Bankensektors und der europäischen Wirtschaft im Großherzogtum einen Zustrom von Fachleuten aus Frankreich, Belgien, Deutschland sowie eine beträchtliche Anzahl von Menschen von den britischen Inseln, aus Skandinavien und anderen Ländern. Darüber hinaus hat Luxemburg als kosmopolitisches Zentrum seit den 1990er Jahren begonnen, auch weiter entfernte Diasporas anzuziehen, vom Balkan bis nach Asien. Heute haben etwa 47 % der ständigen Einwohner des Landes nicht die luxemburgische Staatsbürgerschaft.
Diese Vielfalt wirkt sich natürlich auch auf die alltägliche Esskultur aus. Luxemburg kennt im Grunde keinen Mangel an internationalen Geschmacksrichtungen - praktisch alle großen Küchen der Welt sind hier vertreten. Natürlich regiert in vielen Restaurants nach wie vor die französische Küche (vor allem die Haute Cuisine), und die traditionellen luxemburgischen Gerichte - dicke Suppen, Braten, Würste, Käseküchlein und andere - bleiben Teil des gastronomischen Erbes. Aber auch italienische Pasta und Pizza, portugiesische Grillgerichte und Gebäck, spanische Tapas, griechische Meze, türkische Kebabs, chinesische Nudeln, indische Currys - um nur einige zu nennen - haben längst ihren festen Platz. Heute ist der Durchschnittsluxemburger daran gewöhnt, dass es in der nächsten Straße eine amerikanische Burgerbar, ein japanisches Sushi-Restaurant oder ein gemütliches afrikanisches Café geben kann. All dies ist Ausdruck einer offenen, kosmopolitischen Gesellschaft, in der Dutzende von Kulturen Seite an Seite leben und ihre kulinarischen Traditionen großzügig miteinander teilen.
Es ist bemerkenswert, dass sich viele ausländische Gemeinschaften so weit integriert haben, dass ihre Küche für die Einheimischen Teil "ihrer" Küche geworden ist. Auf den Straßen Luxemburgs hört man zum Beispiel oft portugiesische Sprache - Portugiesisch ist nach Luxemburgisch die zweithäufigste Sprache. Dementsprechend sind auch portugiesische Orte und Gerichte nicht exotisch. Ebenso sind eine italienische Pizza oder ein französisches Croissant für niemanden mehr eine Überraschung - sie sind alltägliche Favoriten;
Portugiesischer Einfluss: vom Kabeljau zum Pastel de Nata
Wenn es eine ausländische Küche gibt, die den Titel der zweiten luxemburgischen Nationalküche verdient, dann ist es sicherlich die portugiesische. Die Portugiesen sind die größte Einwanderergruppe - etwa 14-15 % der Bevölkerung - und ihr Einfluss ist nicht nur in Sprache und Musik, sondern auch in der Gastronomie spürbar. Seit den 1970er Jahren, als die ersten portugiesischen Restaurants eröffneten, hat diese Küche die Herzen der Einheimischen immer mehr erobert. Heute findet man in allen Städten Luxemburgs portugiesische Cafés, Grillbars, Konditoreien und sogar Supermärkte mit portugiesischen Produkten. Viele traditionelle portugiesische Gerichte sind auch bei Luxemburgern und anderen Auswanderern beliebt.
Was haben die Portugiesen in die lokale Speisekarte eingebracht? Zunächst einmal ist es die Liebe zu Fisch und Meeresfrüchten, insbesondere zu Kabeljau (Bacalhau). In Portugal selbst gibt es Dutzende von Zubereitungsarten für getrockneten Kabeljau, und einige dieser Rezepte sind nun auch den Feinschmeckern in Luxemburg bekannt. Probieren Sie zum Beispiel bacalhau à brás, einen Braten aus eingeweichtem Stockfisch mit Kartoffeln und Rührei, oder bolinhos de bacalhau, frittierte Bällchen aus Stockfisch und Kartoffeln. Restaurants mit portugiesischer Küche bieten oft eine Vielzahl von gegrillten Fischgerichten, Tintenfisch, Sardinen und Muscheln an. Für das Binnenland Luxemburg ist dies ein wertvoller Beitrag, der die Ernährung der Einheimischen bereichert.
Die portugiesische Fleischküche ist nicht weniger bedeutend. Viele Portugiesen arbeiteten bei ihrer Ankunft im Baugewerbe, in der Industrie und in anderen energieintensiven Branchen, die deftige Mahlzeiten erforderten. So haben sich einfache und herzhafte Gerichte wie das Frango Assado, ein mariniertes Grillhähnchen am Spieß, das heute in vielen portugiesisch geführten Grillcafés zu finden ist, auf Luxemburger Boden etabliert. Beliebt sind auch das Alentejo-Schweinefleisch (Schweinefleischeintopf mit Meeresfrüchten) und verschiedene Wurstsorten wie Linguiça und Chouriço, die wie spanische Chorizo schmecken. Diese Würste werden über Holzkohle gegrillt oder flambiert serviert.

Eine besondere Erwähnung verdienen die portugiesischen Backwaren und Desserts, die in Luxemburg Einzug in den Alltag gehalten haben. Die berühmten Pastel de Nata - Mini-Puddingtörtchen - werden heute nicht nur in spezialisierten portugiesischen Konditoreien, sondern auch in normalen Bäckereien und Supermärkten verkauft. So berichten Besucher, dass die köstlichen Pâtel de Nata in der örtlichen Supermarktkette Cactus und in einer Reihe von Bäckereien in der Stadt zu haben sind. Neben der Nata haben die Portugiesen den Luxemburgern auch Bolo de Arroz (Reiskuchen), Jesuíta (Mandelkuchen), Bolacha Maria (Kekse) und andere Süßigkeiten gebracht. Sogar der traditionelle luxemburgische Pflaumenkuchen Quetschentaart hat in Form des portugiesischen Puddingkuchens Bolo de bolacha einen Konkurrenten gefunden. Heute stehen diese Desserts friedlich nebeneinander in den Schaufenstern der Cafeterias.
Durch die jahrzehntelange Präsenz der portugiesischen Küche hat sich diese in den kulinarischen Mainstream Luxemburgs eingereiht. Viele Luxemburger, die keine portugiesischen Wurzeln haben, gehen heute regelmäßig in portugiesischen Restaurants essen, weil sie die großzügigen Portionen und die herzliche Atmosphäre schätzen. Die Zeiten, in denen portugiesische Lokale nur von Portugiesen aufgesucht wurden, sind längst vorbei - heute trifft man dort Einheimische und Auswanderer aller Nationalitäten. Einige Gerichte werden sogar nach lokalen Vorlieben abgewandelt, wodurch interessante Gastro-Symbiosen entstehen. So gibt es zum Beispiel Fusionsmenüs, bei denen klassische luxemburgische Grillgerichte oder Würstchen mit portugiesischen Saucen oder Beilagen serviert werden. Der portugiesische Einfluss ist auch in der Barkultur zu spüren: Es ist leicht, portugiesische Weine (z. B. den grünen Wein Vinho Verde) und Biere (Super Bock, Sagres) zu finden, die von der breiten Öffentlichkeit bevorzugt werden.
Italien auf der Speisekarte: Pizza, Pasta und mehr
Die italienische Küche ist ein weiterer Pfeiler des gastronomischen Lebens in Luxemburg, der schon lange nicht mehr als "fremd" gilt. Italiener kommen seit Anfang des 20. Jahrhunderts nach Luxemburg und waren zwischen den Weltkriegen und nach dem Zweiten Weltkrieg besonders zahlreich, da sie in den Bergwerken und Stahlwerken arbeiteten. Es überrascht nicht, dass die ersten Restaurants, die von Ausländern in Luxemburg eröffnet wurden, italienisch waren. Bereits in den 1960er Jahren erfreute sich die italienische Küche großer Beliebtheit: Pizzerien und Trattorien wurden immer zahlreicher und boten den Einheimischen einen damals neuen Genuss: echte neapolitanische Pizza aus dem Holzofen, Pasta al dente mit einer schmackhaften Sauce und andere mediterrane Köstlichkeiten.
Heute gehören Pizza und Pasta für die Luxemburger praktisch zum täglichen Essen, sowohl zu Hause als auch unterwegs. Im ganzen Land gibt es Hunderte von Pizzerien - von Kettenrestaurants bis hin zu kleinen Familienbetrieben - die ihre Gäste mit ihren italienischen Lieblingsgerichten verwöhnen. Viele werden von den Nachkommen oder neuen Wellen italienischer Einwanderer am Leben erhalten und bewahren die Rezepte der regionalen Küche. Ob dünne römische Pizza oder dicke sizilianische Pizza, Penne alla Carbonara oder Spaghetti alla Vongole - die Auswahl ist riesig und die Qualität dank des Wettbewerbs und einer anspruchsvollen Kundschaft meist erstklassig. Die Luxemburger haben die italienische Küche schätzen gelernt: Frische Zutaten, Olivenöl, Kräuter, Parmesan - all das ist ihnen vertraut und lieb geworden. Sogar zu Hause bereiten viele Familien Pasta auf italienische Art zu, mit Mozzarella, Basilikum und Balsamico-Essig.

Es ist erwähnenswert, dass sich die italienische Küche in Luxemburg nicht auf das Standard-Pizza-Pasta-Set beschränkt. Hier finden Sie Restaurants, die spezifischere regionale Spezialitäten anbieten: zum Beispiel toskanische Steaks bistecca alla Fiorentina, sizilianische Caponata, venezianisches Meeresfrüchte-Risotto, sardische Gnocchi malloreddus und vieles mehr. Die Italiener haben auch die Kaffeekultur mitgebracht: Im 20. Jahrhundert entstanden Kaffeehäuser, in denen ein starker Espresso oder Cappuccino nach italienischer Art gebrüht wird. Mit ihnen kam die Tradition des morgendlichen Kaffees mit einem Croissant oder Cornetto, die die lokale Gewohnheit, Scones selbst zu backen, ergänzte. Ein weiteres Geschenk für Feinschmecker ist das italienische Gelato (Speiseeis): In der Hauptstadt gibt es Gelaterias, die Natureis in Dutzenden von Geschmacksrichtungen anbieten und für viele das beste Sommerdessert sind.
Auch italienische Gemeinschaften haben bereits Einzug in die multikulturelle Landschaft gehalten. Die italienische Sprache ist auf den Straßen zu hören, italienische Feste (z. B. gastronomische Feste wie Settimana della cucina italiana) werden in Kulturzentren gefeiert. Vor allem aber wird die italienische Küche nicht mehr als die "fremde" Küche der Einwanderer wahrgenommen: Sie ist so weit verbreitet und beliebt, dass sie oft als eine der Hauptstützen der lokalen Gastronomie bezeichnet wird. Statistiken zufolge gehört die Pizza neben Burgern und Sushi zu den beliebtesten Gerichten, die in Luxemburg nach Hause geliefert werden. Und viele Luxemburger mittleren Alters erinnern sich noch an die Zeit, als es eine besondere Tradition war, am Wochenende mit der ganzen Familie in ein italienisches Restaurant zu gehen - vielleicht die erste Massengewohnheit, auswärts zu essen, die von der italienischen Gastronomie geprägt wurde.
Französische, deutsche und belgische Einflüsse
Die nächsten Nachbarn Luxemburgs - Frankreich und Belgien sowie Deutschland - sollten nicht vergessen werden. Streng genommen werden ihre Küchen nicht als "eingewandert" im klassischen Sinne wahrgenommen, da sie kulturell und historisch eng mit der luxemburgischen Küche verflochten sind. Nichtsdestotrotz ist der Beitrag der Nachbarländer zum Mainstream der lokalen Küche sehr groß und erwähnenswert.
Die französische Küche hat traditionell einen hohen Stellenwert in der luxemburgischen Gastronomie. Seit dem 19. Jahrhundert standen Adel und Bürgertum Luxemburgs dem französischen kulinarischen Geschmack nahe, und im 20. Jahrhundert hielten die französischen Gerichte endgültig Einzug auf den lokalen Tischen. Luxemburg ist voll von Restaurants, in denen die klassische französische Küche serviert wird: Zwiebelsuppe, Foie gras, Burgunderschnecken, Entenconfit und unzählige Variationen von Steak und Soße. Selbst das typische Bistro-Mittagessen, das menu du jour, ist oft französisch inspiriert. Viele Köche, darunter auch Luxemburger, haben in Frankreich oder bei französischen Mentoren studiert, was sich im Niveau der lokalen Lokale widerspiegelt - Luxemburg gehört in Bezug auf die Anzahl der Michelin-Sterne pro Kopf der Bevölkerung durchweg zu den Spitzenreitern in Europa. Der französische Einfluss zeigt sich auch beim Verzehr von Käse und Gebäck: Baguettes, Croissants, Quiches, Tartes - sie alle werden überall gebacken und mit nicht weniger Genuss verzehrt als in Paris oder Lyon. Auch das Konzept der Patisserie hat sich durchgesetzt: Die exquisiten Backwaren, Eclairs und Mousse-Kuchen in den Schaufenstern der Luxemburger Konditoreien sind ein Anblick, der es mit denen der Champs Elysees aufnehmen kann.

Auch die belgische Küche hat ihre Spuren hinterlassen, zumal historisch gesehen ein Teil des heutigen Luxemburger Territoriums zu den Niederlanden gehörte und der Kontakt zu den Belgiern eng war. An erster Stelle stehen natürlich Schokolade und Pralinen - belgische Schokoladenboutiquen gibt es in der Hauptstadt, und belgische Schokolade ist bei Süßmäulern sehr beliebt. Und dann ist da noch das Bier: Das belgische Bier mit seinen klösterlichen Traditionen, den Abtei-Bieren, den Kirsch-Lambics usw. wird in Luxemburg sehr geschätzt, obwohl es eigene Brauereien hat. In den Bars findet man belgische Sorten wie Leffe, Chimay, Kriek usw. neben dem lokalen Bofferding oder Diekirch. Im Bereich des Essens haben die Belgier Muscheln mit Pommes frites (moules-frites), den wallonischen Schwalbe (geschmortes Fleisch in Bier) und natürlich die Pommes frites selbst mit verschiedenen Soßen zu schätzen gelernt. Interessanterweise heißen die Pommes frites in Luxemburg "fritten" und werden sehr oft gegessen - ein gemeinsames Lieblingsgericht mit Belgien. Auf Stadtfesten und in Vergnügungsparks werden überall heiße Pommes-Tüten verkauft, wie es in Brüssel üblich ist.
Der deutsche Einfluss ist eher in der traditionellen Küche zu spüren: Viele der rustikalen luxemburgischen Gerichte gehen auf ein gemeinsames kulinarisches Erbe mit Deutschland zurück. Dazu gehören Wurstwaren (der Eisleker Schinken ist dem Schwarzwälder Schinken ähnlich), Sauerkraut mit Würstchen und vieles mehr. Bayerisches Weißbier, Brezeln, Schnitzel - all das ist auch in Luxemburg üblich, vor allem auf Festen und Messen. Zumal ein großer Teil der Bevölkerung aus Deutschland oder von deutschsprachigen Luxemburgern stammt und die kulturellen Gemeinsamkeiten mit Deutschland stark ausgeprägt sind.
Luxemburg hat schon lange gelernt, beispielsweise deutsche Herzlichkeit und französische Raffinesse zu verbinden. Auf ein und derselben Restaurantkarte stehen oft Sauerkraut mit Würstchen und französischer Pastete, luxemburgische Bohnensuppe Bouneschlupp und Crêpe-Soufflé nebeneinander. Dieser Eklektizismus ist Ausdruck der Mehrsprachigkeit und Multikulturalität des Landes. Obwohl Franzosen, Belgier und Deutsche offiziell als Einwanderer bezeichnet werden können (sie gehören zu den fünf größten ausländischen Gemeinschaften), sind ihre gastronomischen Traditionen so sehr mit den einheimischen verwoben, dass sie ein und dasselbe zu sein scheinen.
Neue Gemeinschaften von Asien bis Afrika
Neben den bereits erwähnten großen europäischen Diaspora-Gemeinschaften gibt es in Luxemburg zahlreiche kleinere, aber bunte Gemeinschaften, die der Geschmackspalette des Landes ebenfalls ihre eigene Note verliehen haben. In den letzten 20-30 Jahren sind viele Menschen aus dem Balkan, Osteuropa, dem Nahen Osten, Südasien und Afrika in das Land gekommen. Obwohl diese Gruppen zahlenmäßig nicht so groß sind, machen sie insgesamt einen beträchtlichen Anteil aus (die Kategorie der "anderen" Ausländer macht in der Statistik etwa 14 % der Bevölkerung aus).
Spanien und Lateinamerika
Die spanische Gemeinschaft war in der Vergangenheit stark vertreten (Platz 3 bis 4 unter den Ausländern im 20. Jahrhundert), auch wenn die Spanier heute nur noch etwa 1,3 % der Bevölkerung ausmachen. Dennoch gibt es in Luxemburg Tapas-Bars, in denen Oliven, Jamon, Kartoffeltortilla und andere Snacks mit spanischem Wein oder Sangria serviert werden. Es gibt mehrere Paella- und Meeresfrüchte-Restaurants, die nicht nur bei spanischen Auswanderern, sondern auch bei Einheimischen beliebt sind. Gelegentlich gibt es auch Flamenco-Abende mit spanischem Essen, was den kulturellen Austausch fördert. Und dank des Zustroms von Lateinamerikanern (wenn auch nur in geringem Umfang) sind mexikanische Gastronomiebetriebe entstanden, wie z. B. Food Trucks mit Tacos und Burritos (ein berühmtes ist Las Maracas, das "authentischen mexikanischen Geschmack" aus einer mobilen Küche anbietet) sowie peruanische und brasilianische Restaurants. Sie sind noch nicht so zahlreich, aber sie bringen eindeutig Würze ins Spiel: Es ist durchaus realistisch, im Zentrum Europas beispielsweise chilenische Empanadas oder mexikanische Guacamole zu probieren.
Osteuropa und der Balkan
Nach der EU-Erweiterung und der Zuwanderung aus den ehemaligen sozialistischen Ländern haben sich in Luxemburg rumänische, polnische, ungarische und balkanische Gemeinschaften gebildet. Sie eröffneten eine Reihe von Fachgeschäften und Cafés. Es gibt russisch-osteuropäische Lebensmittelläden, die eingelegte Gurken, Buchweizen, Kefir, "Alenka"-Schokolade usw. verkaufen. - Nicht nur Einheimische aus diesen Ländern gehen dorthin, sondern auch neugierige Einheimische. Die polnische Küche wird durch den Food Truck Eastruck repräsentiert, der auf Festivals anzutreffen ist: Auf der Speisekarte stehen hausgemachte Pasteten mit verschiedenen Füllungen, Bigos (gedünstetes Kraut mit Fleisch) usw. Die polnische Küche wird durch den Foodtruck Eastruck repräsentiert. Georgier und Armenier bringen ihre eigenen Spieße, Lavash und Khachapuri mit - auch wenn es kein ständiges georgisches Restaurant gibt, stehen diese Gerichte auf den allgemeinen Festivals auf der Speisekarte. Bei einem kürzlich in Luxemburg abgehaltenen Essensfestival beispielsweise wurden in einem georgisch-griechischen Zelt Khachapuri und Souvlaki angeboten, was eine große Menschenmenge anlockte. Auch die balkanische (serbische, kroatische, bosnische) Küche ist präsent - es gibt Cafés, die Cevapcici (Balkanwürste), Pleskavica (gegrillte Fleischbällchen) und Balkanbier anbieten. Diese Küchen dominieren zwar nicht, aber sie bereichern die gastronomische Landschaft mit noch mehr Auswahlmöglichkeiten.
China und Südostasien
Die chinesische Küche ist wahrscheinlich eine der ersten außereuropäischen Küchen, die in Luxemburg auftaucht. Bereits in den 1980er Jahren eröffneten hier chinesische Restaurants, oft mit "europäisierten" Speisekarten (klassische kantonesische Gerichte, die dem lokalen Geschmack angepasst wurden). Heute gibt es im ganzen Land zahlreiche chinesische Restaurants und Imbissbuden, die für ihre großzügigen Portionen und exotischen Geschmacksrichtungen bekannt sind. Viele bieten ein Buffet mit asiatischen Gerichten an, auf dem Sie Nudeln, Reis, Hühnchen in süß-saurer Soße, Frühlingsrollen usw. probieren können. Interessanterweise hat die wachsende chinesische Diaspora (vor allem Studenten und Geschäftsleute) dazu geführt, dass immer mehr authentische Lokale entstehen: Sichuan-Restaurants mit scharfen Hotpots, Bubble-Tea-Cafés, Street Food wie Baozi (gedämpfte Brötchen) und Dim Sum.
Indien und Pakistan
Auch die indische und pakistanische Küche hat sich stark etabliert. Es gibt mehrere bekannte indische Restaurants, die Currys, Tandoori, Samosas, Naan - alles, was zu einem indischen Festmahl gehört - anbieten. Da die indische Gemeinschaft nicht allzu groß ist (etwa 0,7 % der Bevölkerung), richten sich die Restaurants nicht nur an sie, sondern auch an die breite Öffentlichkeit. Infolgedessen sind indische Currys in Mode gekommen: Die Luxemburger schätzen weiche, cremige Soßen wie Tikka Masala, aber auch scharfe Gerichte für diejenigen, die es schärfer mögen. Besonders erwähnenswert sind vegetarische indische Gerichte - mit dem Trend zu gesunder Ernährung ist das Interesse an Linsen-Dal-Suppe, Gemüse-Sabji und Paneer-Käse-Gerichten auch in der einheimischen Bevölkerung gestiegen. Die pakistanische Küche ähnelt der indischen und ist ebenfalls präsent - manchmal in Form der gleichen Restaurants (südasiatische Küche unter einem Dach). Im Allgemeinen ist ein Curry-Restaurant neben einer Pizzeria oder einer Sushi-Bar bereits ein fester Bestandteil des städtischen Lebens geworden.
Japan und panasiatische Trends
Wie der Rest der Welt ist auch Luxemburg in den frühen 2000er Jahren auf Sushi gekommen. Sushi-Restaurants, Brötchen-Lieferdienste und später auch Ramen-Restaurants sind aus dem Boden geschossen. Obwohl die japanische Diaspora klein ist, verbreitete sich das japanische Essen durch die Mode - die Menschen reisten und lernten neue Geschmacksrichtungen kennen. Heute findet man in der Hauptstadt Restaurants mit Sushi-Fließband, mehrere Ramen-Bars und Lokale, die Udon, Tempura und Teriyaki anbieten. Es gibt sogar eine hohe japanische Küche: Das Restaurant Ryōdō erhielt einen Michelin-Stern für seine exquisiten Sushi-Menüs, was zeigt, dass die authentische japanische Gastronomie auf höchstem Niveau gefragt ist. Neben den japanischen Restaurants sind auch thailändische Restaurants (scharfe Tom-Yum- und Pad-Thai-Suppen sind den Luxemburgern ein Begriff) und vietnamesische Lokale (insbesondere Pho-Suppe und Neem-Rollen) sehr beliebt. Interessanterweise hat auch die panasiatische Küche ihre Nische gefunden: Es gibt Restaurants, die Elemente der chinesischen, thailändischen und japanischen Küche in einer Speisekarte vereinen - sie locken das Publikum mit ihrer Vielfalt. Ein neuer Trend ist die koreanische Küche: Es gibt mehrere Lokale, in denen man koreanisches Barbecue oder Kimchi probieren kann.
Naher Osten
In den letzten Jahren ist eine deutliche Präsenz der nahöstlichen Küche zu beobachten, was sowohl auf die Einwanderer aus dem arabischen Osten als auch auf die allgemeine Beliebtheit dieser Gerichte zurückzuführen ist. Die libanesische Küche ist in dieser Kategorie am weitesten verbreitet: In der Hauptstadt gibt es mehrere libanesische Restaurants, die für Meze (eine Reihe von Snacks: Hummus, Tabbouleh, Babaganoush, Falafel usw.) und schmackhafte Kebabs bekannt sind. Auch die syrische und iranische Küche wird angeboten - so gibt es beispielsweise bei Kulturfestivals Zelte, in denen syrischer Pilaw, iranischer Kebab mit Safranreis usw. angeboten werden.
Türkei
Die türkische Küche verdient eine besondere Erwähnung: Obwohl die türkische Gemeinde relativ klein ist, hat sich der Döner zu einem gesamteuropäischen Phänomen entwickelt, und Luxemburg ist keine Ausnahme. Dönerläden gibt es überall im Land. Es handelt sich um eine Art eingewandertes Fastfood, das bei jungen Leuten und Büroangestellten sehr gut ankommt. Man könnte sagen, dass der Kebab heute genauso verbreitet ist wie ein Hamburger oder eine Pizza: Er wird in der Mittagspause oder nach einer durchzechten Nacht in einer Bar verzehrt. Es gibt auch türkische Konditoreien mit Baklava und Rahat Loukoum sowie Cafés, in denen man eine Tasse starken türkischen Tee oder orientalischen Kaffee trinken kann.
Afrika
Die afrikanische Küche ist in Luxemburg weniger stark vertreten, aber immer noch präsent. Historisch gesehen bestehen enge Beziehungen zu Kap Verde (Kapverdische Inseln): Viele Caboverdianer sind in den 1970er Jahren mit den Portugiesen eingewandert und die Gemeinschaft ist immer noch aktiv. Die kaboverdische Küche ähnelt der portugiesischen Küche mit afrikanischen Elementen (Maisbrei, Thunfischgerichte, Desserts mit Ziegenkäse), die an den Nationalfeiertagen der Gemeinschaft genossen werden können. Aus Subsahara-Afrika leben in Luxemburg Menschen aus Mali, Senegal, Kamerun, Nigeria und anderen Ländern, meist in kleinen Gruppen. Afrikanische Restaurants sind selten, aber es gibt immer mehr Afro-Fusion-Lokale. So eröffnete 2023 das erste afrikanische Fusionsrestaurant der Stadt, Odum Fusion, das authentische westafrikanische Gerichte (z. B. senegalesisches Poulet Yassa - Huhn in Marinade mit Zwiebeln) in einer modernen Präsentation anbietet. Dies zeigt das wachsende Interesse der Öffentlichkeit an afrikanischen Aromen. Auch afrikanische Verbände präsentieren bei Festivals der Migrationskultur häufig nationale Speisen: Äthiopischer Eintopf mit Injera, marokkanischer Couscous, tansanischer Pilaw und vieles mehr.
Feste der Nationalküchen: die ganze Welt an einem Tisch
Eine der besten Möglichkeiten, die kulinarische Vielfalt Luxemburgs zu erleben, ist der Besuch der lokalen Feste und Messen, auf denen die Küchen Dutzender Länder vertreten sind. Diese Veranstaltungen sind zu einer jährlichen Tradition geworden und ziehen Tausende von Besuchern an. Das Angebot reicht von asiatischen Nudeln und Sushi bis zu afrikanischen Grillgerichten und lateinamerikanischen Süßigkeiten. Das Essen auf diesen Festen ist nicht nur ein Genuss, sondern ein Symbol für die Einheit in der Vielfalt: Vertreter verschiedener Nationalitäten kochen Seite an Seite und verwöhnen die Gäste mit Gerichten aus ihren jeweiligen Kulturen.
Die bekannteste und größte Veranstaltung dieser Art ist der Bazar International. Es handelt sich um eine Wohltätigkeitsmesse, die seit mehr als einem halben Jahrhundert (seit Anfang der 1960er Jahre) unter der Schirmherrschaft der Großherzogin organisiert wird. Auf dem Bazar sind Stände aus Dutzenden von Ländern aus aller Welt vertreten - im Jahr 2024 waren es beispielsweise 62 Stände aus 55 Ländern! Jeder Stand wird von Freiwilligen aus der jeweiligen Diaspora dekoriert und bietet den Gästen kulinarische Köstlichkeiten, Getränke und Kunsthandwerk. Tatsächlich verwandelt sich der Pavillon der Messe für ein paar Tage in eine Miniaturweltstadt, in der man von Frankreich bis Mexiko, von Japan bis Finnland, von Indien bis zur Ukraine spazieren gehen und Pfannkuchen, Tacos, Sushi und Borschtsch probieren kann. Die Besucherzahlen sind beeindruckend: Über 43 000 Menschen haben an den drei Tagen des Bazaar 2024 teilgenommen - eine unglaubliche Zahl angesichts der Einwohnerzahl des Landes. Dieses Fest ist seit langem ein beliebtes Ereignis sowohl für die ausländischen Gemeinschaften selbst (sie sind stolz darauf, ihre Kultur zu präsentieren) als auch für die gesamte Stadt. Die luxemburgische Königsfamilie nimmt traditionell an der Eröffnungszeremonie teil und unterstreicht damit die Bedeutung von Multikulturalität und Wohltätigkeit.
Eine weitere wichtige Veranstaltung ist das von CLAE organisierte Festival des migrations, des cultures et de la citoyenneté (Festival der Migrationen, der Kulturen und der Bürgerfreundlichkeit). Es konzentriert sich mehr auf den kulturellen Austausch und die Integration, aber auch das Essen spielt eine große Rolle. Das Festival zieht jedes Jahr Hunderte von Ständen verschiedener Einwandererverbände an - für 2025 waren rund 400 Stände angekündigt. Historisch gesehen dominieren seit der Gründung des Festivals im Jahr 1981 die italienische, portugiesische, kaboverdische und spanische Gemeinschaft, die in der Vor- und Nachkriegszeit das Rückgrat der Einwanderung bildeten. Doch im Laufe der Zeit hat sich die Liste der Teilnehmer beträchtlich erweitert: Jetzt nehmen auch die chinesische, pakistanische, indische und afrikanische Gemeinschaft teil. Sie bereiten ihre besten Gerichte für die Gäste zu - oft mehrere Stände aus einem Land, an denen verschiedene Teams unterschiedliche kulinarische Spezialitäten anbieten. In der Tat ist die ganze Welt für ein paar Tage unter dem Dach des LuxExpo-Ausstellungszentrums versammelt. Der Geist des Festivals wird durch Konzerte, Tänze und Kunstausstellungen ergänzt - aber es ist vor allem das Essen, das die Menschen zusammenbringt und ihnen die Möglichkeit gibt, eine fremde Kultur buchstäblich zu kosten. Den Veranstaltern zufolge ist das Festival zu einem "Miniaturmodell des multikulturellen Luxemburgs" geworden, bei dem sich alle Gruppen gleichermaßen durch ihre Traditionen präsentieren. Eine kuriose Tatsache: Einige Länder sind auf diesem Festival mit mehreren Ständen vertreten, weil es so viele verschiedene kulinarische Besonderheiten gibt, dass ein Punkt einfach nicht ausreicht. So können beispielsweise bestimmte Regionen Indiens oder Chinas mit eigenen Pavillons vertreten sein. Das Migrationsfestival ist zwar eher ein gesellschaftliches als ein kommerzielles Ereignis, trägt aber dennoch erheblich zur Popularisierung der nationalen Küchen bei. Viele Menschen lernen dort bestimmte Gerichte kennen und fangen dann an, sie im Handel zu kaufen oder zu Hause zu kochen.

Neben diesen Großveranstaltungen gibt es in Luxemburg auch andere Festivals, bei denen das Essen im Mittelpunkt steht. So zum Beispiel das jährliche Street Food Festival "Eat it!", das vom Kulturzentrum Rotondes organisiert wird. Diese Veranstaltung ist dem Street Food und den Food Trucks gewidmet: Etwa 15 der besten Food Trucks des Landes versammeln sich am Veranstaltungsort und bieten eine gastronomische Reise um die Welt - von asiatischen Gerichten bis zu südamerikanischen Rezepten, von saftigen Burgern bis zu knuspriger italienischer Pizza, von libanesischen Meze bis zu Autorendesserts. Das Format des Festivals ist bei jungen Leuten und Familien sehr beliebt: freie Atmosphäre, Musik und die Möglichkeit, kleine Portionen der verschiedenen Küchen zu probieren. Street Food als Phänomen wurde in den Jahren 2010-2020 zum neuen Mainstream - und Luxemburg hat diese Welle aktiv aufgegriffen. Neben dem Eat it! Festival fahren Food Trucks nun auch zu anderen städtischen Veranstaltungen (z. B. Musiktag, Stadtfeste), und einige Gemeinden organisieren sogar ihre eigenen Street Food Days;
Ein weiteres Highlight sind die gastronomischen Dörfer auf den Weihnachtsmärkten. In der Vorweihnachtszeit werden in Luxemburg traditionell festliche Märkte mit Hütten und Ständen organisiert. Früher wurden dort vor allem lokale Leckereien verkauft: Glühwein, Gromperekichelcher (Kartoffelpuffer), Würstchen. Jetzt ist der Weihnachtsmarkt auch multinational geworden: Neben dem üblichen Weinhaus gibt es einen spanischen Stand mit Churros, einen italienischen mit Pizza, einen asiatischen mit Dim Sum, einen ungarischen mit Langos, einen amerikanischen mit Donuts. Manchmal wird sogar ein "Dorf" der verschiedenen Küchen eingerichtet: 2022 zum Beispiel wurden Themen-Chalets für verschiedene europäische Länder aufgestellt, in denen die jeweiligen Nationalgerichte und Souvenirs verkauft wurden. Dies wertet nicht nur das Fest auf, sondern unterstreicht auch die Multikulturalität der Gesellschaft.
Die Erfahrung Luxemburgs zeigt, dass kulinarische Multikulturalität kein abstraktes Konzept ist, sondern eine greifbare Realität, die man schmecken und riechen kann. Einwanderer aus verschiedenen Ländern brachten ihre Geschmäcker, Produkte und kulinarischen Bräuche in dieses kleine Land ein, und mit der Zeit waren sie nicht mehr nur etwas Äußerliches, Fremdes. Über das Essen haben die Menschen verschiedener Nationalitäten eine gemeinsame Sprache gefunden: Sie laden ihre Nachbarn ein, ihre Spezialitäten zu probieren, veranstalten gastronomische Feste und öffnen die Türen von Restaurants, in denen jeder unabhängig von seiner Nationalität willkommen ist. Auf diese Weise entstehen in Luxemburg neue "Food Mainstreams" - von der breiten Öffentlichkeit geteilte Ernährungstrends -, sei es die Beliebtheit von Pastel de Nata zum Morgenkaffee oder die Mode der Food Courts mit ethnischem Essen.
Quelle: luxembourg.public.lu, expatica.com, luxtoday.lu, bazar-international.lu, clae.lu, rotondes.lu, wort.lu, itnation.lu, paperjam.lu, ey.com
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