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Luxtoday

„Keine Masken“ – ein Epidemiologe über das neue Virus

Zuletzt aktualisiert
12.05.26
medical masks in Luxembourg

Marek Studzinski, Unsplash

Ein Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“, der zu sieben bestätigten Fällen und drei Todesfällen geführt hat, hat in europäischen medizinischen Kreisen große Besorgnis ausgelöst. Joël Mossong, Epidemiologe bei der luxemburgischen Gesundheitsbehörde, mahnt jedoch in einem Interview mit L'Essentiel dazu, die Situation nicht mit der COVID-19-Pandemie zu vergleichen. Ihm zufolge handelt es sich um eine spezifische Variante des Hantavirus – das And-Virus –, die in Südamerika endemisch und in Europa so gut wie unbekannt ist.

Trotz der hohen Gefährlichkeit der Krankheit, die eine Sterblichkeitsrate von 30–40 % aufweist, ist das Risiko einer weltweiten Ausbreitung nach wie vor minimal. Im Gegensatz zum Coronavirus, das die oberen Atemwege befällt und leicht über Tröpfcheninfektion übertragen wird, erfordert das Ebolavirus einen längeren und engen Körperkontakt. Dokumentierte Fälle einer Übertragung von Mensch zu Mensch wurden bisher nur in Situationen verzeichnet, in denen Menschen zusammenlebten, sich ein Bett teilten oder gemeinsam aßen. Selbst in Krankenhäusern, in denen infizierte Patienten behandelt werden, ist eine Übertragung des Virus auf das medizinische Personal äußerst selten.

Die Symptome der Krankheit ähneln im Frühstadium denen einer Grippe: Auf Fieber und allgemeines Unwohlsein folgen schwere Atemwegsbeschwerden. Die Inkubationszeit des And-Virus ist mit durchschnittlich drei Wochen deutlich länger als bei saisonalen Infektionen, was eine wirksame Identifizierung und Isolierung von Kontaktpersonen ermöglicht, bevor Symptome auftreten. Derzeit gibt es keine spezifische Behandlung oder Impfung, sodass sich die medizinische Versorgung auf die unterstützende Behandlung im Krankenhaus beschränkt.

Die während der COVID-19-Pandemie gewonnenen Erkenntnisse haben die Vorsorge der Gesundheitssysteme auf solche Ausbrüche erheblich verändert. Joël Mossong stellt fest, dass sich die Geschwindigkeit des Datenaustauschs zwischen Labors, Krankenhäusern und den Behörden drastisch erhöht hat. Luxemburg hat ein digitales Meldesystem eingeführt, das vor 2020 noch nicht existierte und das es ermöglicht, lokale Ausbrüche so schnell wie möglich einzudämmen. Folglich gibt es im Großherzogtum derzeit keine Empfehlungen hinsichtlich Änderungen des Sozialverhaltens oder einer Rückkehr zur Maskenpflicht.

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12.05.26

Fotos aus diesen Quellen: Marek Studzinski, Unsplash

Autoren: Alex Mort