Können Allergien Hirntumore bekämpfen? Wissenschaftler in Luxemburg suchen nach einer Antwort.

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Wissenschaftler des Luxembourg Institute of Health (LIH) haben eine Studie gestartet, die unser Verständnis des Zusammenhangs zwischen Allergien und Krebs verändern könnte. Epidemiologischen Daten zufolge haben Menschen mit Atemwegsallergien wie Heuschnupfen oder allergischem Asthma ein um etwa 30 % geringeres Risiko, an einem Glioblastom zu erkranken.
Das Glioblastom ist eine seltene, aber äußerst aggressive Form von Hirntumor, die sich durch schnelles Wachstum und die Fähigkeit auszeichnet, die Immunantwort des Körpers zu unterdrücken. Aufgrund dieser Eigenschaft sind viele moderne Behandlungsmethoden, darunter auch die Immuntherapie, wirkungslos. Die beobachtete „schützende” Rolle von Allergien könnte jedoch einen wichtigen Schlüssel zum Verständnis der Aktivierung des Immunsystems gegen Tumore darstellen.
Das Projekt „Glioma Risk and Allergy“ (GRALL) unter der Leitung von Aurélie Poli konzentriert sich darauf, die biologischen Mechanismen hinter diesem Phänomen zu identifizieren. Ihrer Meinung nach lautet die Arbeitshypothese, dass Allergien das Immunsystem in einem Zustand erhöhter Alarmbereitschaft halten. Unter solchen Bedingungen reagieren Immunzellen aggressiver auf Substanzen, die normalerweise ignoriert würden – und möglicherweise auch auf Tumorzellen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den Mikroglia, spezifischen Immunzellen im Gehirn. Alessandro Michelucci, Leiter der Neuroimmunologie-Gruppe am LIH, stellt fest, dass bei einer allergischen Reaktion die Mikroglia aktiviert werden und Moleküle produzieren, die das Tumorwachstum verlangsamen können. Darüber hinaus schließen sich weitere Immunzellen aus dem peripheren Blut dem Kampf an. Diese Effekte wurden bereits in Versuchsmodellen nachgewiesen.
Die nächste Forschungsphase umfasst eine detaillierte Untersuchung der spezifischen Signalwege und molekularen Mechanismen, die die Antitumoraktivität von Immunzellen bei allergischen Erkrankungen verstärken. Langfristig könnten die gewonnenen Erkenntnisse die Grundlage für neue Medikamente oder wirksamere immuntherapeutische Strategien bilden.
Wissenschaftler betonen, dass der Weg von der Grundlagenforschung zur klinischen Anwendung lang sein wird und Jahre dauern kann. Das GRALL-Projekt wird vom Nationalen Forschungsfonds (Fonds National de la Recherche, FNR) und dem Krebsfonds finanziert und läuft bis April 2028. Dennoch eröffnen die Ergebnisse bereits jetzt die Aussicht, die Rolle des Immunsystems bei der Behandlung einer der schwersten Krebsarten neu zu überdenken.





