Luxemburg besorgt über Medizintourismus

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Eine Behandlung im Ausland ist an sich kein Problem, betont Georges Clees von der Patientenrechtsvereinigung Patientevertriedung. In vielen Fällen handelt es sich um sogenannte Patientenmobilität, bei der Menschen aufgrund der Entfernung, des Preises oder langjähriger Beziehungen zu Ärzten bewusst eine Klinik in einem anderen Land wählen. Die Schwierigkeiten beginnen, wenn medizinische Versorgung zu einem kommerziellen Produkt wird.
Laut Klees werden Patienten oft von niedrigen Preisen und „All-inclusive“-Angeboten angezogen, die Unterkunft und Transport beinhalten, aber nur wenige Informationen darüber liefern, was im Falle von Komplikationen nach dem Eingriff geschieht. Genau dieser Aspekt erweist sich in der Regel als besonders problematisch.
Der Verband sieht sich mit Situationen konfrontiert, in denen Patienten mit erfolglosen Behandlungsergebnissen nach Luxemburg zurückkehren und nicht wissen, wie sie weiter vorgehen sollen. Lokale Ärzte, wie beispielsweise Zahnärzte, können sich weigern, einzugreifen, wenn die Korrektur von Komplikationen das Risiko einer rechtlichen Haftung mit sich bringt. Infolgedessen muss der Patient erneut ins Ausland reisen, diesmal ohne „Paket“, und alles selbst bezahlen.
Die rechtliche Seite des Problems verkompliziert die Situation zusätzlich. In Luxemburg sind Ärzte nicht verpflichtet, sich mit den Folgen einer im Ausland durchgeführten Behandlung auseinanderzusetzen. In einigen Fällen müssen Patienten in einem anderen Land ein Gerichtsverfahren einleiten, einen Sachverständigen beauftragen und zusätzliche Kosten tragen. Solange kein Sachverständiger festgestellt hat, was genau schiefgelaufen ist, kann das Problem möglicherweise nicht behoben werden – andernfalls ist unklar, wer für den Fehler verantwortlich ist.
In der Zwischenzeit empfiehlt der Verband allen, die eine Behandlung im Ausland in Betracht ziehen, dringend, nicht nur den Preis, sondern auch die Qualitätsstandards, die Nachsorgebedingungen und ihre gesetzlichen Rechte sorgfältig zu prüfen. Andernfalls können Einsparungen in der Anfangsphase zu ernsthaften Problemen und deutlich höheren Kosten in der Zukunft führen.





