„Ich habe mit dem Trinken aufgehört, sobald ich Pfarrer wurde.“

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Während Neujahrsempfänge in Behörden nach wie vor mit einem Glas Crémant verbunden sind, serviert das luxemburgische Gesundheitsministerium alkoholfreies Bier anstelle von Sekt. Gesundheitsministerin Martine Deprez beschloss, das Jahr ohne Alkohol zu beginnen, und richtete eine Botschaft an die Öffentlichkeit: „Alkohol ist ein Problem, das angegangen werden muss.“
Deprez selbst betont, dass sie früher sehr moderat getrunken habe, aber seit ihrer Ernennung zu diesem Amt bewusst komplett auf Alkohol verzichtet. Bei Empfängen im Ministerium gibt es keinen Tropfen Alkohol, sondern nur alkoholfreie Alternativen. Die Reaktion ihrer Kollegen? Die erwartete Skepsis und Befürchtungen, dass die Leute nicht lange durchhalten würden. Aber die Ministerin ist überzeugt, dass ihre Mitarbeiter ein Vorbild für die Gesellschaft sind.
Der Minister betont, dass das Ziel nicht das Verbot ist. Es geht darum, die „Normalität“ des Alkohols zu zerstören, die so tief im Alltag verwurzelt ist. „Viele Menschen sind sich nicht bewusst, wie viel sie trinken. Aber wenn man einmal anfängt, aufzuschreiben, wie viel man in einer Woche trinkt, ist die Menge überraschend.“ Dieser Bewusstseins-Effekt ist Teil der Mission von Dry January geworden – Menschen die Möglichkeit zu geben, einen Schritt zurückzutreten und ihren Lebensstil zu betrachten.
De Prez hält die Reaktion der Weinbranche für etwas überraschend. Ähnliche Initiativen wurden in der Vergangenheit bereits von Nichtregierungsorganisationen wie der Fondation Cancer durchgeführt, waren jedoch weniger auffällig. Jetzt, da Dry January die Unterstützung der Regierung erhalten hat, ist der Widerstand deutlicher geworden. Der Minister plant, sich in naher Zukunft persönlich mit Vertretern von Horesca zu treffen, um zu erklären, dass die Initiative nicht gegen die Branche gerichtet ist, sondern vielmehr das Menschenrecht unterstützt, keinen Alkohol zu trinken und ohne Druck oder Spott in der Gesellschaft akzeptiert zu werden. „So wie das Rauchen in Innenräumen einst inakzeptabel wurde, sollte es auch zur Norm werden, keinen Alkohol zu trinken.“
Besondere Aufmerksamkeit wird dem Vergleich mit anderen Ländern gewidmet. Laut Deprez rangiert Luxemburg in Europa unter den Ländern mit dem höchsten Anteil an Menschen, die regelmäßig große Mengen Alkohol konsumieren. Diese Statistiken lassen sich nur schwer ignorieren. Im Vereinigten Königreich beispielsweise folgt auf den „Dry January“ eine neue Initiative namens „Sober Spring“, die sich über die gesamte Frühjahrssaison erstreckt. Luxemburg ist dafür noch nicht bereit, aber die Diskussion darüber hat bereits begonnen.
Dies führt zu einem Paradoxon: Einerseits fördert der Staat den Weintourismus, andererseits ermutigt er die Menschen, auf Alkohol zu verzichten. Auf den Vorwurf der Doppelmoral antwortet Deprez, dass solche Paradoxien in der staatlichen Politik unvermeidlich seien. Das Gleiche gelte beispielsweise auch für Tabak: Er bringe dem Haushalt Einnahmen, unterliege aber auch strengen Vorschriften.




