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Luxtoday

Luxemburgs Weinsektor am Rande einer Epidemie

Zuletzt aktualisiert
30.12.25
Wine and vineyards in Luxembourg

Maja Petric, Unsplash

Während die ungarischen Weinberge massenhaft absterben und eine alarmierende Infektionswelle über Frankreich und Deutschland schwappt, bleibt in Luxemburg ein prekäres Gleichgewicht bestehen. Die Krankheit, die unter dem poetischen, aber unheilvollen Namen flavescence dorée - "goldene Welke" - bekannt ist, ist eine der größten Bedrohungen für den europäischen Weinbau der letzten Jahrzehnte. Sie ist unheilbar, wird durch das Insekt Scaphoideus titanus übertragen und führt zum Absterben der Reben.

Nach Angaben von Serge Fischer, Direktor des Instituts für Weinbau und Weinbereitung, wird Luxemburg seit zehn Jahren kontinuierlich überwacht. Bislang wurden weder der Erreger noch der Vektor im Land entdeckt. Aber, wie der Experte einräumt, ist es "nur eine Frage der Zeit". Die Krankheit ist bereits auf dem Vormarsch in Richtung Champagne, also buchstäblich vor der Haustür des Großherzogtums.

Die Hauptansteckungsquelle sind junge, aus dem Ausland importierte Setzlinge und Unterlagsreben (Unterlagspflanzen, auf die Rebsorten aufgepfropft werden). Um das Risiko zu verringern, greifen Experten auf die so genannte Thermotherapie zurück - eine "Heißwasserbehandlung", die den Erreger im Frühstadium zerstören kann. Eine solche Maßnahme ist jedoch nur wirksam, wenn sie flächendeckend angewendet wird. Fischer betont, dass es nicht ausreicht, dies nur in Luxemburg zu tun, da der Insektenvektor über die Mosel reisen kann. Ein koordiniertes Vorgehen mit französischen und deutschen Landwirten ist notwendig.

Die Situation in Ungarn ist besonders besorgniserregend, da es dort eine große Anzahl von stillgelegten Weinbergen gibt, die zu Infektionsherden geworden sind. Ein neuer Gesetzesentwurf in Luxemburg sieht ein Verbot der Umwandlung von Weinbergen in unbebaute Grundstücke vor. Weigert sich der Eigentümer, die Rebstöcke zu roden, kann der Staat dies auf behördliche Anordnung hin tun.

Trotz des bestehenden Rechtsrahmens ist die Bekämpfung der Flavescence dorée nach wie vor ein kostspieliger und disziplinierter Prozess. Wird ein Befall festgestellt, müssen die Reben sofort gerodet und benachbarte Parzellen mit Insektiziden behandelt werden. Dies ist ein schmerzhafter, aber notwendiger Schritt.

Es gibt ein weiteres Hindernis: die Diagnose. Die Krankheit ist im Frühstadium nur schwer von einer anderen Krankheit, dem so genannten Bois noir, zu unterscheiden, und die Laboranalysen sind komplex und ressourcenintensiv. Einige Länder haben mit der harten Taktik der Massenrodung auf den geringsten Verdacht reagiert.

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Zuletzt aktualisiert
30.12.25

Fotos aus diesen Quellen: Maja Petric, Unsplash

Autoren: Alex Mort