Gewerkschaften fordern Null-Toleranz-Politik gegenüber Gewalt an Schulen

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Die Zahl der Gewaltfälle an luxemburgischen Schulen ist nach wie vor hoch, doch der Staat führt nach wie vor keine systematische Statistik über solche Vorfälle. Dies geht aus der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Abgeordneten Francine Closener (LSAP) hervor. Im vergangenen Schuljahr wurden 312 Ausschlussentscheidungen getroffen, doch ist unklar, wie viele davon mit gewalttätigem Verhalten in Zusammenhang standen.
Die Praxis, Disziplinarentscheidungen aufzuheben, gibt Anlass zu weiterer Besorgnis. Im laufenden Schuljahr wurde die Hälfte der vor dem Berufungsausschuss (Commission de recours) angefochtenen Ausschlüsse aufgehoben. Ein Jahr zuvor lag dieser Anteil bei 22,7 % und im Schuljahr 2023/24 bei 40,9 %. Nach Angaben der Gewerkschaft für Bildungsbeschäftigte SEW/OGBL gab es Fälle, in denen Ausschlüsse wegen gewalttätiger Handlungen, die vom Schuldisziplinarrat (Conseil de discipline) genehmigt worden waren, anschließend von der Kommission des Ministeriums aufgehoben wurden.
Die Gewerkschaft ist der Ansicht, dass diese Praxis den Eindruck erweckt, dass der Schutz der Täter Vorrang vor dem Schutz der Opfer hat, insbesondere wenn die Beschuldigten einen Rechtsbeistand hinzuziehen. Laut SEW/OGBL muss der Staat klarstellen, dass Gewalt in Schulen inakzeptabel ist und dass die Sicherheit der Opfer absolute Priorität hat.
Zu den wichtigsten Forderungen der Gewerkschaft gehören die Einführung einer obligatorischen und systematischen Erfassung aller Formen von Gewalt, einschließlich körperlicher, psychischer und sexueller Gewalt, sowie die Schaffung eines analogen und digitalen Systems, über das Schüler und Mitarbeiter Beschwerden einreichen können. Es wird vorgeschlagen, Lehrern, die Opfer von Aggressionen geworden sind, gezielte Unterstützung zukommen zu lassen und klare Reaktionsprotokolle für Schulen zu entwickeln.
Darüber hinaus setzt sich SEW/OGBL für die Einrichtung eines Krisenteams in jeder Bildungseinrichtung, den Ausbau von Programmen zur Entwicklung sozialer Kompetenzen und gewaltfreier Konfliktlösung sowie die Schaffung einer unabhängigen Struktur in jeder weiterführenden Schule ein, die Beschwerden von Opfern entgegennimmt und untersucht, einschließlich der Möglichkeit, rechtliche Schritte einzuleiten.
Besondere Aufmerksamkeit wird Maßnahmen gegen Täter gewidmet: obligatorische Anti-Gewalt-Schulungen außerhalb der Schulzeit, die Möglichkeit einer vorübergehenden Unterbringung in einem spezialisierten Zentrum für Schüler, die systematisch aggressives Verhalten zeigen, sowie die räumliche Trennung von Opfer und Täter bis zur endgültigen Entscheidung durch die Disziplinarbehörden.





