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Zoshua Colah, Unsplash
Ständige Störungen und überfüllte Waggons auf der Strecke Nancy–Metz–Luxemburg veranlassten einen Passagier zu einer ungewöhnlichen Initiative. Ein Einwohner von Nancy namens Matt startete das Projekt La Bétaillère (Viehtransporter), eine Website und Facebook-Seite, die mit Ironie und Daten auf die Probleme des grenzüberschreitenden Verkehrs aufmerksam macht.
Der Name spiegelt die Gefühle vieler Nutzer wider: Während der Hauptverkehrszeit, so sagen sie, verwandeln sich die Züge in „Bétaillère“ – Viehwaggons. Matt hatte zuvor humorvolle Songs über die täglichen Schwierigkeiten dieser Strecke veröffentlicht, entschied sich jedoch, zu einem praktischeren Instrument überzugehen. „Ich wollte mit der Website etwas Konkretes erreichen, denn es ändert sich nichts – die Probleme bleiben bestehen“, erklärt er.
Die Plattform verfügt über eine interaktive Karte mit Echtzeit-Verzögerungsanzeige und einen Bereich mit Statistiken auf Basis von SNCF-Daten. Seit Januar überwacht Matt täglich 177 Züge. Seinen Berechnungen zufolge lag die Pünktlichkeit an einem der letzten Montage bei nur 53 %, während der Durchschnitt für Januar bei 72 % lag. Die SNCF, die von Journalisten um offizielle Zahlen gebeten wurde, konnte keine detaillierten Daten zu Verspätungen vorlegen.
Der Autor des Projekts ist der Ansicht, dass seine Berechnungen einen „Ausgleich” der Statistiken ermöglichen, die auf den Jahresversammlungen der SNCF, der CFL, der luxemburgischen Behörden und der Region Grand Est vorgestellt werden. Seiner Meinung nach erscheinen die offiziellen Zahlen oft zu optimistisch und berücksichtigen nicht immer die Verspätungen, die durch Probleme im Netz des Nachbarlandes verursacht werden.
Die Diskussion konzentriert sich insbesondere auf den Abschnitt Luxemburg–Bettembourg, der sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr zu den verkehrsreichsten Abschnitten des gesamten CFL-Netzes zählt. Vertreter der CFL räumen ein, dass die hohe Verkehrsintensität insbesondere zu den Stoßzeiten zu Engpässen führt, die sich unmittelbar auf die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der Züge auswirken. Der Bau der neuen Strecke dürfte das Kapazitätsproblem teilweise lösen.
Matt ist überzeugt, dass neben Investitionen in die Infrastruktur auch eine bessere Kommunikation erforderlich ist – sowohl mit den Fahrgästen als auch zwischen Frankreich und Luxemburg. Für die Zukunft plant er die Einführung eines Algorithmus zur Bewertung der Zugauslastung. Die Idee dahinter ist, dass Fahrgäste im Voraus sehen können, in welchen Wagen noch Plätze frei sind oder ob aufgrund der Ausfall eines vorherigen Zuges mit Überfüllung zu rechnen ist. Bemerkenswert ist, dass der Autor des Projekts selbst keine spezielle IT-Ausbildung hat, aber beabsichtigt, die Initiative weiterzuentwickeln.





