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Die EU will sich zu einer einzigen kontinentalen Macht entwickeln.

Zuletzt aktualisiert
27.02.26
European Union

Planet Volumes, Unsplash

JEF Luxemburg und JEF Finnland veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung, in der sie systemische Reformen der Europäischen Union und einen echten Übergang zu einer tieferen Integration forderten. Grund dafür war die alarmierende Dynamik bei der Umsetzung strategischer Empfehlungen: Bis Januar 2026 waren nur 15,1 % der Vorschläge aus Mario Draghis Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit umgesetzt worden, 23,8 % waren teilweise umgesetzt worden und 61,1 % blieben unumgesetzt. Darüber hinaus wurden die sensibelsten Maßnahmen zur Vertiefung der Integration überhaupt nicht angesprochen.

Eine ähnliche Situation lässt sich bei Enrico Lettas Bericht „Much more than a market“ beobachten, der sich mit der Modernisierung des EU-Binnenmarktes befasst: Auch bei dessen Umsetzung wurden keine nennenswerten Fortschritte erzielt. Die Verfasser der Erklärung betonen, dass das Problem nicht in einem Mangel an Analysen liegt – es gibt genügend Berichte –, sondern in einem Mangel an politischen Entscheidungen, klaren Fristen und strukturellen Reformen.

Der Text verweist ausdrücklich auf ein ungünstiges geopolitisches Umfeld: Europa befindet sich zwischen einem „unzuverlässigen Verbündeten“, einem „gefährlichen Feind an seinen Grenzen“ und einem „harten Konkurrenten“. Gleichzeitig ist die EU strukturell weiterhin nicht in der Lage, in dem erforderlichen Umfang zu handeln. Vor diesem Hintergrund diskutierten die Teilnehmer des Treffens der europäischen Staats- und Regierungschefs im Schloss Alden Biesen (Belgien) über die Stärkung des Binnenmarktes und die Verringerung der Abhängigkeit von externen Akteuren in strategischen Sektoren.

JEF begrüßt die Initiative „Ein Markt für ein Europa” der Europäischen Kommission, betont jedoch, dass Koordinierung allein nicht ausreicht, sondern eine echte Harmonisierung der Rechtsvorschriften erforderlich ist. Wenn nicht alle 27 Mitgliedstaaten bereit sind, gleichzeitig voranzuschreiten, sollte der Mechanismus der verstärkten Zusammenarbeit aktiver genutzt werden, wie dies zuvor beim Schengen-Raum und bei der Einführung des Euro der Fall war.

Einer der zentralen Vorschläge ist die Schaffung des sogenannten „28. Regimes“ – eines paneuropäischen Gesellschaftsrechts. Die Idee der EU Inc. sieht vor, dass Unternehmen in der gesamten Union nach einheitlichen Regeln tätig sein können, was die regulatorische Fragmentierung verringern und Rechtssicherheit gewährleisten soll. Im Kontext des globalen Wettbewerbs ist Größe ein entscheidender Faktor, und die Fragmentierung der nationalen Märkte behindert nach Ansicht der Autoren das Wachstum europäischer Unternehmen.

Die finanzielle Komponente der Reformen nimmt ebenfalls einen wichtigen Platz in dem Bericht ein. Der EU-Haushalt macht etwa 1 % des gesamten BIP der Union aus, während die öffentlichen Ausgaben in den OECD-Ländern im Durchschnitt 46,3 % erreichen. Die Autoren halten diesen Betrag für unzureichend, um strategische Ziele zu verwirklichen, und plädieren für die Schaffung eines dauerhaften Finanzinstruments auf EU-Ebene. Das Programm „NextGenerationEU“, das die Möglichkeit kollektiver Kreditaufnahmen und Investitionen aufgezeigt hat, sollte keine Ausnahme bleiben.

Darüber hinaus betonen die Autoren die Notwendigkeit, eine Spar- und Investitionsunion aufzubauen, die Energieunion zu vollenden und interne Hindernisse auf dem Kapitalmarkt zu beseitigen. Gleichzeitig warnen die Autoren davor, die Vereinfachung der Regulierung durch Deregulierung zu ersetzen: Wettbewerbsfähigkeit kann nicht auf einem „Wettlauf nach unten“ bei den Standards aufgebaut werden; das Problem liegt nicht in einem Übermaß an Vorschriften als solchem, sondern in deren 27 nationalen Versionen.

Der abschließende Teil der Erklärung ist institutioneller Natur. Nach Ansicht von JEF Luxemburg und JEF Finnland ist das bestehende, auf dem Grundsatz der Einstimmigkeit basierende Entscheidungssystem unter den gegenwärtigen Umständen nicht zweckmäßig. Sie fordern, einen Weg zur Änderung der Gründungsverträge und zur Stärkung der supranationalen Governance zu ebnen, damit die EU als kontinentale Macht agieren kann.

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27.02.26

Fotos aus diesen Quellen: Planet Volumes, Unsplash

Autoren: Alex Mort