Die Digitalisierung des öffentlichen Sektors in Luxemburg gewinnt an Fahrt

Rodion Kutsaiev, Unsplash
Das Zentrum für Informationstechnologie der öffentlichen Verwaltung (CTIE) ist das wichtigste Instrument zur Modernisierung der öffentlichen Verwaltung in Luxemburg. Laut dem Direktor der Behörde, Patrick Houtsch, hatte die 1974 gegründete Organisation bis zu ihrem 50-jährigen Jubiläum ihre Mitarbeiterzahl auf 650 erhöht, und ihr Jahresbudget belief sich auf 192 Millionen Euro. Das CTIE betreibt derzeit Plattformen für verschiedene Ministerien und verwaltet das Portal guichet.lu, das über 2.000 behördliche Verfahren sowohl online als auch offline unterstützt. Darüber hinaus ist das Zentrum für das nationale Register natürlicher Personen und die Ausstellung von Personalausweisen zuständig. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach digitalen Dienstleistungen hat sich die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter erheblich erhöht: Derzeit werden rund 350 Projekte parallel entwickelt, weitere 90 warten darauf, an die Reihe zu kommen.
Vor dem Hintergrund einer wachsenden Zahl von Herausforderungen wird besonderer Wert auf den Einsatz künstlicher Intelligenz gelegt. Dennoch betont Patrick Houtsch die entscheidende Bedeutung der technologischen Souveränität. Im Gegensatz zu Systemen, die von großen US-Konzernen kontrolliert werden, setzt die luxemburgische Regierung auf lokale Datenverarbeitung in eigenen Rechenzentren. Zur Umsetzung dieser Strategie wurde eine Partnerschaft mit dem in Paris ansässigen Unternehmen Mistral geschlossen, die den Einsatz europäischer Sprachmodelle innerhalb eines sicheren IT-Perimeters ermöglicht. Insbesondere wurde ein spezieller Chatbot für Behörden eingeführt, zu dem bereits 14.000 Beamte Zugang erhalten haben. Dieses Tool dient ausschließlich dazu, die Mitarbeiter bei der Informationssuche und der Automatisierung von Routineaufgaben zu unterstützen, und nicht dazu, Arbeitsplätze abzubauen.
Gleichzeitig erfordert der Digitalisierungsprozess eine strenge Kontrolle des Schutzes personenbezogener Daten. Dies gilt insbesondere für die „Once-Only“-Initiative, deren Ziel es ist, den Bürgern die wiederholte Angabe derselben Informationen gegenüber verschiedenen Behörden zu ersparen. Gleichzeitig ist der freie Datenaustausch zwischen Behörden untersagt: Informationen werden ausschließlich im Rahmen eines konkreten, vom Nutzer selbst eingeleiteten Verfahrens übermittelt. Somit werden Automatisierung und künstliche Intelligenz als Instrumente zur Steigerung der Effizienz des öffentlichen Sektors betrachtet, deren Einsatz durch Anforderungen hinsichtlich Vertraulichkeit und digitaler Souveränität streng geregelt ist.





