In Osteuropa wird Bronze von Friedhöfen eingeschmolzen

JF Martin, Unsplash
In den letzten Wochen waren Friedhöfe in ganz Luxemburg Ziel einer Reihe von Vandalismus- und Diebstahlsdelikten. Der schwerwiegendste Vorfall ereignete sich vor einer Woche auf dem Friedhof in Bettembourg, wo 67 Gräber beschädigt wurden; ähnliche Delikte wurden auch im Stadtteil Hollerich gemeldet. Die Hauptziele der Täter waren Bronzekreuze und Skulpturen. Zunächst wurde angenommen, das Motiv für die Taten sei lediglich der Verkauf des Metalls als Altmetall gewesen, doch Branchenexperten weisen diese Theorie kategorisch zurück.
Laut Mike Decker, einem Antiquitätenhändler mit vierzig Jahren Erfahrung, ist der Grundwert des Rohmaterials zu gering, um solche kriminellen Risiken zu rechtfertigen. Eine hundert Jahre alte Bronzefigur mit einem Gewicht von etwa einem halben Kilogramm würde, wenn sie als Kupferschrott verkauft würde, nur zwischen 9 und 9,50 Euro pro Kilogramm einbringen. Gleichzeitig ist es unmöglich, solche Gegenstände auf dem legalen Antiquitätenmarkt zu verkaufen. Professionelle Händler oder Verkäufer auf Flohmärkten erkennen sofort, dass die Gegenstände von Friedhöfen stammen, und lehnen den Handel damit ab. Decker betont, dass er in vier Jahrzehnten Berufserfahrung noch nie auf Versuche gestoßen ist, solche Gegenstände über offizielle Kanäle zu verkaufen.
Der wahre Wert der gestohlenen Gegenstände liegt in der hohen Qualität der antiken Bronze, die als Rohstoff verwendet wurde. Der Experte geht davon aus, dass organisierte kriminelle Gruppen das Metall aus Luxemburg nach Osteuropa schmuggeln. Dort wird dieser Rohstoff in spezialisierten Untergrundgießereien zur Herstellung hochwertiger Repliken begehrter Kunstwerke verwendet. Seriöse Unternehmen weigern sich, solche Repliken zu gießen, da dies als Betrug gilt, sodass der Schwarzmarkt die einzige Produktionsstätte für Fälscher bleibt.
Gerade beim Verkauf der Fälschungen wird die Hauptgewinnspanne des kriminellen Geschäftsmodells erzielt: Der Wert der gefälschten Skulpturen kann 150.000 Euro oder mehr betragen. Die chemische Zusammensetzung von Bronze ist seit Jahrtausenden nahezu unverändert geblieben, was es Betrügern ermöglicht, sowohl moderne als auch antike Werke mit hoher Genauigkeit nachzuahmen. Infolgedessen verbessert sich die Qualität solcher Kopien ständig, und es wird immer schwieriger, sie von den Originalen zu unterscheiden. Dennoch weisen die Fälschungen einen physikalischen Makel auf: Bei einer fachmännischen Untersuchung stellt sich in der Regel heraus, dass die Kopien aufgrund der technischen Eigenschaften der Metallschrumpfung während des sekundären Gussprozesses etwa 3 Prozent kleiner sind als die Originale.





