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314 Lehrer haben Angst, wieder in die Schule zu gehen

Zuletzt aktualisiert
14.05.26
Teachers in Luxembourg

Getty Images

Die Ergebnisse einer landesweiten Umfrage, die die Gewerkschaft SEW/OGBL zwischen Ende Januar und Mitte April durchgeführt hat, deuten auf eine ernsthafte Sicherheitskrise in Bildungseinrichtungen hin. Von den 1.115 Befragten gaben 820 an, in den letzten 12 Monaten persönlich Gewalt erfahren zu haben. Besonders alarmierend ist die Häufigkeit der Vorfälle: 314 Lehrkräfte (rund 38 % der Betroffenen) sind zwischen ein- und fünfmal pro Woche Aggressionen ausgesetzt. Joëlle Damé, eine Vertreterin der SEW/OGBL, betonte, dass ein solches Ausmaß auf den strukturellen Charakter des Problems hindeute und nicht auf vereinzelte Ausnahmen.

Statistiken zeigen, dass Schüler die Hauptursache für Bedrohungen sind, obwohl ein Drittel der Befragten auch aggressives Verhalten seitens der Eltern oder Erziehungsberechtigten anführte. Während verbale Übergriffe nach wie vor die häufigste Form darstellen, gibt auch körperliche Gewalt Anlass zu nicht minder großer Sorge. Im vergangenen Jahr wurden 450 Lehrkräfte angegriffen, wobei 233 körperliche Verletzungen davontrugen und 64 fachärztliche Behandlung benötigten. Dennoch herrscht im Bildungssektor nach wie vor eine „Kultur des Schweigens“, die nicht nur durch bürokratische Komplexität, sondern auch durch die Angst vor der Reaktion der Schulleitung bedingt ist.

Vera Dockendorf von SEW/OGBL stellte fest, dass sich viele Lehrkräfte von den hierarchischen Strukturen im Stich gelassen fühlen. Oft führt die Einreichung einer formellen Beschwerde zu einer abweisenden Haltung seitens der Schulleitung, die es vorzieht, den Vorfall zu ignorieren, anstatt die Ursachen der Gewalt anzugehen. Die Gewerkschaft äußerte große Besorgnis darüber, dass Aggressionen routinemäßig verharmlost werden und dass die Interessen der Täter oft Vorrang vor dem Schutz der Opfer haben. In einigen Fällen sind Eltern gezwungen, ihre Kinder von der Schule zu nehmen, um sie vor einem aggressiven Umfeld zu schützen.

Vor dem Hintergrund der Untätigkeit des Bildungsministeriums hat die Gewerkschaft eine Reihe von Forderungen zur Reform des Sicherheitssystems vorgelegt. Zu den Maßnahmen gehören spezielle Fortbildungen für das Personal, die Einführung eines einheitlichen Meldesystems sowie die Veröffentlichung jährlicher statistischer Berichte über Vorfälle. Die Gewerkschaft besteht darauf, Lehrkräften psychologische und rechtliche Unterstützung zukommen zu lassen, anonyme Kanäle für die Einreichung von Beschwerden einzurichten und landesweite Sensibilisierungskampagnen durchzuführen. SEW/OGBL betont, dass die anhaltende Missachtung des Themas durch den Staat inakzeptabel ist und eine sofortige Überprüfung der Ansätze zur Gestaltung des schulischen Umfelds erfordert.

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14.05.26

Fotos aus diesen Quellen: Getty Images

Autoren: Alex Mort